[Mental healthcare in South Tyrol]
- PMID: 39365440
- DOI: 10.1007/s00115-024-01755-w
[Mental healthcare in South Tyrol]
Abstract
Mental healthcare in South Tyrol, as everywhere in Italy, is still characterized by Law 180, which came into force in 1978 under the leadership of Franco Basaglia and Bruno Orsini. The Ministry of Health subsequently set a target number of beds of 10/100,000 inhabitants. Unlike in other parts of Italy, private clinics play a minimal role in South Tyrol. The "Psychiatric Services" are part of the state healthcare system responsible for all citizens and are also responsible for compulsory outpatient care. According to the concept of community care, also due to the small number of inpatient beds, a great deal of care is provided on an outpatient basis. Coercive measures can only be used in the case of an illness requiring urgent treatment that the patient refuses, without recourse to endangering circumstances (self-endangerment or danger to a third party). Inpatient hospitalization is only possible if treatment also takes place and the principle of "outpatient before inpatient" also applies in this context, i.e., coercive treatment can only take place as an inpatient if it cannot be carried out as an outpatient. Forensic psychiatry has very few places and mentally ill offenders are often in prison or occupy beds in general psychiatric wards. Compared to Germany there are fewer beds available but staffing levels are better, particularly for nursing. In relation to the number of inhabitants, compulsory treatment is more frequent than in Germany, whereas involuntary hospitalization and physical restraint are much rarer (only possible in Italy by court order).
Die psychiatrische Versorgung in Südtirol ist, wie überall in Italien, bis heute durch das Gesetz 180 geprägt, das 1978 unter Federführung von Franco Basaglia und Bruno Orsini in Kraft trat. Das Gesundheitsministerium legte in der Folge eine Sollbettenzahl von 10/100.000 Einwohner fest. Private Kliniken spielen in Südtirol, anders als in anderen Teilen Italiens, praktisch keine Rolle. Die „Psychiatrischen Dienste“ sind Teil des für alle Bürgerinnen und Bürger zuständigen staatlichen Gesundheitswesens und zugleich auch für die ambulante Pflichtversorgung zuständig. Dem Konzept der gemeindenahen Betreuung folgend, aber auch aufgrund der geringen Zahl stationärer Betten findet sehr viel Versorgung ambulant statt. Für die Legitimität von Zwangsbehandlungen ist ausschließlich die dringende Behandlungsbedürftigkeit eines Patienten maßgeblich, der die Behandlung ablehnt. Dabei wird kein Bezug auf die Tatbestände von Gefahren (Eigen- oder Fremdgefährdung) genommen. Eine stationäre Unterbringung ist nur möglich, wenn auch eine Behandlung stattfindet und auch in diesem Bereich gilt das Prinzip „ambulant vor stationär“, d. h. auch Zwangsbehandlungen dürfen nur dann stationär stattfinden, wenn sie ambulant nicht durchführbar sind. Die forensische Psychiatrie hat nur sehr wenige Plätze, psychisch kranke Straftäter befinden sich häufig im Strafvollzug oder belegen Betten in der Allgemeinpsychiatrie. Verglichen mit Deutschland sind weniger Betten verfügbar, die Personalausstattung insbesondere in der Pflege ist aber besser. Zwangsbehandlungen sind, bezogen auf die Einwohnerzahl, häufiger als in Deutschland, Unterbringungen (ist in Italien nur auf richterliche Anweisung möglich) und mechanische Freiheitsbeschränkungen dagegen deutlich seltener.
Keywords: Coercive treatment; Community psychiatry; Forensic psychiatry; Involuntary commitment; Mandatory provision of care.
© 2024. The Author(s), under exclusive licence to Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature.
Conflict of interest statement
Einhaltung ethischer Richtlinien. Interessenkonflikt: G. Schaller, R. Pycha und A. Conca sind Beschäftigte der Psychiatrischen Dienste in Südtirol. Sonstige Interessenkonflikte bestehen nicht. T. Steinert gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht. Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
References
Literatur
-
- Pycha R, Giupponi G, Schwitzer J et al (2011) Italian psychiatric reform 1978: milestones for Italy and Europe in 2010? Eur Arch Psychiatry Clin Neurosci 261(2):S13–S139
-
- Di Fiorino M, Saviotti FM, Gemignani A (2004) Gli interventi non volontari: la gestione medica e le implicazioni legali. J Psychopathol 2:
-
- Steinert T, Scharfetter J (2018) Wie können psychiatrische Kliniken in Österreich vollständig offen geführt werden? Psychiat Prax 45:321–326
-
- DGPPN e. V. (2024) Basisdaten Psychische Erkrankungen. www.dgppn.de/schwerpunkte/zahlenundfakten.html . Zugegriffen: 21. Mai 2024
Publication types
MeSH terms
LinkOut - more resources
Full Text Sources
Medical
